Blitzer !

8. Januar 2013 | Von | Kategorie: ohne Kategorie

Vermeiden Sie „Blitzer“

Ein Gutachter berichtet aus der Praxis (64). Eine zwölfseitige hochqualitative Broschüre mit einem eingeschlagenen Coupon an der Umschlagrückseite wird wegen „Blitzern“ im Bund und am Coupon reklamiert. Über die Ursachen gab es Meinungsverschiedenheiten zwischen einer Agentur als Auftraggeber und der Druckerei. Im Rahmen eines Privatgutachtens waren Ursache und Verantwortlichkeiten für den Mangel zu klären.

 

Die Abbildung zeigt deutlich, dass beim Aufbau des Umschlagbogens aus den vom Auftraggeber gelieferten Daten der Einzelseiten nicht berücksichtigt worden war, dass die Seitenbreite der Seiten 1/2 0,5 mm größer als die Seitenbreite der Seiten 11/12 sein muss.

Der Mangel betrifft die Umschlagseiten und als Ursachen werden Passerdifferenzen zwischen Schön- und Widerdruck, Überschreitung der Falztoleranzen, Standfehler der Einzelseiten auf dem Druckbogen und eine nicht fertigungsgerechte Gestaltung vermutet. Auch ein Bruch des Kreidestrichs an den Falzkanten des mattgestrichenen Bedruckstoffes wird nicht ausgeschlossen.

Untersuchungen. Von den Broschüren wurden Stichproben entnommen und der Falzpasser bestimmt. Die ermittelte Toleranz lag bei einem Wert ≤ 0,5 mm. Gemäß den technischen Richtlinien für Falz- und Schneidtoleranzen von buchbinderischen Produkten werden Falztoleranzen von ± 0,55 mm empfohlen. Die Falzqualität war demzufolge sehr gut. An noch verfügbaren und nicht weiterverarbeiteten Druckbogen wurde der Passer zwischen Schön- und Widerdruck bestimmt. Die ermittelte Standardabweichung mit < 0,1 mm bestätigt einen guten registergenauen Druck. Der Aufbau des Umschlagbogens aus den vom Auftraggeber gelieferten Daten der Einzelseiten berücksichtigte nicht, dass die Seitenbreite der Seiten 1/2 0,5 mm größer als die Seitenbreite der Seiten 11/12 sein müssen, damit der Coupon nicht von der Seite 11/12 beim Beschnitt getrennt wird. Die Abstände zwischen Schnitt- und Falzmarken betrugen bei den Seiten 1/2 184,8 mm und bei den Seiten 11/12 184,7 mm.

Nach Überarbeitung der Druckmontage betragen die Breite 1/2 185,7 mm und 11/12 185,2 mm. Diese Verhältnisse sind im Bild dargestellt. Diese Überarbeitung der Bogenmontage erfolgte für den vom Auftraggeber geforderten Nachdruck, der frei von „Blitzern“ war.

Beweisfragen. Nach Untersuchung der Ursachen für den Mangel waren Beweisfragen zu beantworten, welche die Verantwortlichkeiten der Parteien klären sollten. Im Folgenden werden die Antworten auf die Beweisfragen dargestellt: Die Mängelrüge durch den Auftraggeber war begründet. Die „Blitzer“ passen nicht zum sonstigen Erscheinungsbild und dem Verwendungszweck der Broschüre. „Blitzer“ werden im Allgemeinen immer reklamiert und müssen vermieden werden. Die Gestaltung des Umschlages unterstützt das Auftreten von „Blitzern“, und kleinste Abweichungen von Falz- und Schnittdifferenzen sind sofort zu erkennen.

Ursachenforschung. Die Gestaltung ist aber nicht die Ursache von „Blitzern“. Es wird häufig versucht, für Fertigungsmängel die Gestaltung verantwortlich zu machen. Druckereien mit einem hohen Qualitätsanspruch müssen gestalterische Herausforderungen lösen können. Die Agentur lieferte die Daten der Einzelseiten und war nicht bereit, die Bogenmontage komplett zu liefern. Vereinbart war die Lieferung druckfertiger Daten. Eine präzisere Liefervertragsfestlegung hätte hierbei eine klare Zuordnung der Verantwortung ermöglicht. Obwohl nach dem Heften und Beschneiden der strittigen Auflage „Blitzer“ auftraten, wurde die Verarbeitung nicht gestoppt. Da die Inhaltsseiten mängelfrei waren, hätte nur der Umschlag neu gedruckt werden müssen. Damit wären die wirtschaftlichen Folgen wesentlich geringer ausgefallen.

Fazit. Die Druckerei war für die mangelhafte Bogenmontage und die wirtschaftlichen Folgen der nicht abgebrochenen Weiterverarbeitung verantwortlich zu machen. Bei besserer Zusammenarbeit zwischen Agentur und Druckerei wäre der Schaden wesentlich geringer ausgefallen.

Der Autor Dr. Peter Hofmann, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Flachdruck, berichtet in einer fortlaufenden Serie aus der Praxis. Er ist im Sächsischen Institut für die Druckindustrie (SID) in Leipzig tätig. (hofmann@sidleipzig.de; Tel.: 03 41/25 94 20; www.sidleipzig.de )
Erschienen in DD 6/2010

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