Selbst drucken oder drucken lassen?

7. Januar 2016 | Von | Kategorie: Digitaldruck

Fotografien:

Selbst drucken oder drucken lassen?

Die Möglichkeiten, Fotografien zu drucken, werden immer zahlreicher. Dienstleister bieten eine riesige Auswahl. Doch nicht jeder möchte die Kontrolle über das eigene Bild aus der Hand geben. Ist das eigene Drucksystem die bessere Lösung?

ANGELA STARCK Bereits seit Jahren erfreut sich der Fotodruck wachsender Beliebtheit – kein Wunder, denn die Qualität des Drucks kann inzwischen äusserst hochwertig sein. So kommt die eigene Aufnahme, ausgegeben auf einem zum Motiv passenden Papier, hervorragend zur Geltung.

Dabei sind die verschiedenen Möglichkeiten, das eigene Bild zu Papier zu bringen oder auf ganz andere Materialien auszugeben, dank der gestiegenen Anzahl an Drucktechnologien enorm angewachsen. Die Auswahl an – auch sehr grossen – Druckformaten ist inzwischen umfangreich und es lassen sich verschiedenste, auch starre Materialien in guter Qualität digital und direkt bedrucken.

Dabei hat man als professioneller oder semiprofessioneller Fotograf die Wahl, ob man seine Fotos selbst drucken möchte – und für diese Zwecke ein eigenes hochwertiges Drucksystem anschafft – oder seine Motive bei Dienstleistern drucken lässt.

Dienstleister oder eigener Drucker

Dienstleister verfügen häufig über ein ganzes Sammelsurium von verschiedenen Druckern und damit über vielfältige Ausgabevarianten. Möglich ist neben dem Druck auf verschiedene Papiere zum Beispiel auch das direkte Bedrucken von starren Materialien wie Acrylglas, Hartschaum, Alu-Dibond oder Holz. Zudem lassen sich Kalender, Tapeten, Textilien, Tablet- und Smartphone-Cases und verschiedenste Büro- und Deko-Artikel mit individuellen Fotos bedrucken. Am beliebtesten sind heutzutage Fotobücher, die über Dienstleister in den unterschiedlichsten Formaten und auf verschiedenste Medien gedruckt werden können.

Doch wie sieht es bei diesen Angeboten mit der Kontrolle über das eigene Bild aus, will man als Fotograf die Darstellung seiner Ideen jemand anderem überlassen? Ein eigenes oder auch ein geleastes Drucksystem erlaubt es, die komplette Kontrolle über den Workflow und den kreativen Vorgang von der Aufnahme des Fotos bis zum Druck in der eigenen Hand zu behalten.

Allerdings wird der Fotograf sich in der Regel für ein Drucksystem entscheiden. Um Kunst- oder Fotodrucke anzufertigen, ist meist ein Printer das System der Wahl, das mit wasserbasierten Tinten in hoher Auflösung ausgibt und zudem zu einem verhältnismässig günstigen Preis erhältlich ist. Darüber hinaus sind die Kosten für Farben und Druckpapiere hoch und sollten unbedingt in die Kalkulation mit einfliessen.

Grosse Auswahl an Druckdienstleistern

Wie Pilze aus dem Boden schiessen seit einiger Zeit Onlineangebote, die hochwertige digitale Fotodrucke zum angemessenen Preis, in kürzester Zeit, in verschiedensten Formaten und auf unterschiedlichsten Materialien versprechen. Angesichts der grossen Zahl der Anbieter ist die Auswahl schwierig und viele professionelle und auch semiprofessionelle Fotografen stehen vor dem Problem, bei welchem Anbieter sie ihre Bilder wirklich hochwertig drucken lassen können.

Die besten Kontrollmöglichkeiten bieten dabei Fotofachlabore vor Ort, bei denen man die Qualität des Drucks an Ort und Stelle selbst beurteilen kann. Es sind aber auch Anbieter im Netz zu finden, die online die Dienste eines Fotofachlabors bieten beziehungsweise für eine besonders hochwertige Qualität beim Fotodruck werben.

Saal-digital.de zum Beispiel bietet neben den verschiedensten Fotoprodukten, darunter so genannte High­end-Fotobücher, auch Fine-Art-Drucke auf Hahne­mühle-Papieren in vielen Formaten an und ist zudem «Hahnemühle Certified Studio». Über das «Fotografenportal» von Saal Digital können Fotografen auch eigene Bilder über eine Webgalerie verkaufen.

Fotocommunity-prints.de beziehungsweise Fotoexakt.de hat in seinem Onlinefotolabor eher Produkte und Dienstleistungen eines klassischen Fachlabors im Angebot. Für den Druck stehen verschiedene Oberflächen und Formate zur Verfügung. Kaschierungen, etwa auf Alu-Dibond, Forex oder als Acrylglasversiegelung, umfasst das Angebot des Dienstleisters ebenso.

Fineartcompany.ch ist zugleich Fotostudio und Dienstleister für grossformatige Fotoprints. Das Angebot umfasst Drucke auf Fine-Art-Papier, Fotoleinwand und Fotopapier sowie Fotoprints, die zwischen Acrylglasplatten oder auf Aluminium- oder Diliteplatte kaschiert wurden.

Ein ähnliches Angebot bietet Print­art.ch, die nach eigener Aussage grösste Schweizer Onlinegalerie. Fotoprints der gezeigten Werke sind ebenso möglich wie der Druck des eigenen Fotos. Künstler oder Fotografen können zudem einen eigenen Galerieshop eröffnen und ihre Bilder über das Portal verkaufen.

Gysin-fineart.ch bietet über den Druck sehr grosser Formate auf verschiedene Fine-Art-, Foto- und Leinwand-Medien hinaus auch den Druck auf unterschiedliche Folien – darunter Selbstklebefolien, die laminiert sogar als «Floor Graphics» (Bodenkleber) im Aussenbereich zum Einsatz kommen können. Neben Kaschierungen auf unterschiedliche Plattenmaterialien – hier hat der Dienstleister u.a. Holz und Aluminium im Angebot – und Rahmungen übernimmt er auch Lieferung und Montage der Werke.

Günstigere Anbieter

Fotofachlabore stehen allgemein für eine bessere Ausgabequalität, verlangen in der Regel aber auch höhere Preise für ihre Dienstleistungen. Muss es nicht die beste Qualität sein, so sind günstigere Anbieter wie etwa Cewe, der grösste Fotodienstleister Europas, in grosser Zahl vorhanden.

Cewe belegte bei einem Fotobuchtest der Stiftung Warentest vor Kurzem mit dreien seiner Partnerunternehmen die ersten drei Plätze mit dem Testurteil «gut». Die Produktion von Fotobüchern steht bei dem Dienstleister zwar immer noch im Mittelpunkt, es wird neben – auch grossformatigen – Drucken auf verschiedensten Materialien von Fotopapier bis Acryl eine riesige Auswahl individuell bedruckter Fotoprodukte wie Kalender, Tassen, Textilien unterschiedlichster Art, Schneekugeln oder Mousepads angeboten.

Professionelle Fotografen, Fotostudios und Fotofachhändler mit hohen Druckvolumina pro Monat können sich bei Cewe telefonisch als Kunde listen lassen. In diesem Fall werden ihre Aufträge direkt über Cewe bearbeitet und es stehen verschiedene Sonderkonditionen zur Verfügung.

Die besonders gefragten Fotobücher, die neben Cewe auch zahlreiche weitere Onlinedienstleister anbieten, werden in der Regel mit tonerbasierten Drucksystemen produziert. Dagegen ist das «HD book», das mit einem extra für diese Zwecke entwickelten Tintenstrahlsystem, dem Dream Labo 5000 von Canon, gedruckt wird, eine qualitativ besonders hochwertige Art von Fotobuch. Gedruckt wird mit sieben Farben auf speziell beschichtete Papiere mit einer Auflösung von 2400 × 1200 dpi. Dies sorgt für ein breites Farbspektrum mit feinen Abstufungen sowie eine sehr gute Schärfe der Druckbilder.

Entscheidungskriterien für den eigenen Drucker

Bei der Entscheidung, Fotografien selbst zu drucken oder von einem Dienstleister drucken zu lassen, spielt vor allem der Durchsatz eine Rolle. Die meisten Drucksysteme lohnen sich für einen Fotografen nur dann, wenn er verhältnismässig viel druckt und zudem überwiegend Fotoprints auf Materialien wie Fotopapieren oder Canvas anfertigt.

Hat man sich für die Anschaffung eines eigenen Fotoprinters entschieden, so sind bestimmte Vorüberlegungen elementar. Die Entscheidung etwa, welches Format man maximal ausgeben können möchte. Reicht zum Beispiel A3+, so sind die Kosten für den Printer überschaubar, soll es aber eine Druckbreite von 1,5 Metern sein, so ist absehbar, dass für den Drucker und die Verbrauchsmaterialien verhältnismässig hohe Kosten anfallen.

Will man Fine-Art-Papiere, die zum Teil sehr voluminös sind, bedrucken, so sollte man zudem darauf achten, dass der anvisierte Printer auch dickere Materialien verarbeiten kann.

Daneben sind natürlich die Anzahl der Farben für einen möglichst umfangreichen Farbraum sowie eine hohe Auflösung für die Detailwiedergabe wichtig. Für den qualitativ hochwertigen Schwarzweissdruck mit erhöhter Schwarzdichte sollte das Drucksystem zudem über mehrere Schwarztöne verfügen.

Professionelle Fotodrucker beziehungsweise Premium-Inkjet-Systeme kommen hauptsächlich von Herstellern wie Epson und Canon. Sie verarbeiten mit hoher Auflösung meist wasserbasierte Tinten, hauptsächlich Pigmenttinten in vielen Farben und mit guter Haltbarkeit.

Drucksysteme für Fotografen

Speziell für den hochwertigen Fotodruck bietet Epson verschiedene Modelle an, die allesamt mit Pigmenttinten arbeiten. Die A3+-Printer Stylus Photo R2000, SureColor SC-P400 und SureColor SC-P600 nutzen eine sehr hohe Auflösung von 5760 × 1440 dpi und bedrucken Papiere bis 1,3 Millimeter Dicke. Der R2000 sowie der SureColor SC-P400 nutzen sieben Farben und einen Gloss Optimizer, der SC-P600 arbeitet mit neun Farben.

Für das A2-Format hat der Hersteller den SureColor SC-P800 im Angebot. Der laut Epson kleinste A2-Drucker, der eine Option für Rollenpapier bietet, arbeitet mit neun Farben. Für das A2-Überformat steht der Stylus Pro 4900 mit elf Farben zur Verfügung.

Im Bereich Grossformatdruck bietet Epson verschiedene Sure­Color-P-Modelle (SC-P6000 bis SC-P9000) mit Druckbreiten von maximal 61 und 111,8 Zentimetern an, die bis zu zehn Farben verwenden. Das grösste Modell des Herstellers für die Ausgabe von Fotos ist der Stylus Pro 11880, ein Neun-Farben-System mit einer Druckbreite bis 162,6 Zentimeter. Die Epson Fotodrucker, die das A2-Format und darüber hinaus bedrucken, besitzen eine Auflösung von 2880 × 1440 dpi und verarbeiten bis zu 1,5 Millimeter dicke Medien.

Canon hat für den Druck von Fotos bis zum A3-Überformat mehrere Pixma-Pro-Varianten im Angebot. Der Pixma Pro-1 nutzt zum Beispiel Pigmenttinten in zwölf Farben, darunter einen so genannten Croma Optimizer, der den Tiefenglanz verbessern und den Farbraum erweitern soll. Er druckt, wie alle Pixma-Pro-Printer, mit einer Auflösung von 4800 × 1200 dpi und verarbeitet Medien bis zu 350 g/m2. Der Pixma Pro-10S arbeitet dagegen mit zehn Farben inklusive Croma Optimizer, entspricht aber ansonsten im Wesentlichen den Daten des Pro-1. Mit dem Pixma Pro-100 bietet Canon zudem einen Fotoprinter, der Farbstofftinten in acht Farben nutzt. Diese Dye-Tinten gelten zwar als weniger haltbar als Pigmenttinten, besitzen aber einen grösseren Farbumfang.

Für Formate ab A2 hat der Hersteller die Imageprograph-Reihe im Angebot, darunter den Neuzugang Imageprograph Pro-1000. Dabei handelt es sich um einen professionellen A2-Fotodrucker, den der Hersteller speziell für Kunsthochschulen, Grafiker, Designer und Fotografen konzipiert hat. Der kompakteste unter Canons Grossformatdruckern gibt mit den zwölf Farben der neuen LUCIA-Pro-Pigmenttinten, darunter Croma Optimizer, aus. Er produziert bei Bedarf auch randlose Drucke. Das Desktopgerät bietet eine Auflösung von 2400 × 1200 dpi und verarbeitet Medien bis 400 g/m², es soll ab Februar 2016 im Handel verfügbar sein.

Weitere Fotodrucker der Imageprograph-Serie sind mit Druckbreiten von 42,3, 61, 111,8 und 152,4 Zentimetern erhältlich. Sie verarbeiten bis zu 0,8 Millimeter dicke Rollenmedien und Blattware, einige Modelle können über einen manuellen Einzug auf bis zu 1,5 Millimeter starke Papiere ausgeben. Die Printer nutzen allesamt Pigmenttinten in acht oder zwölf Farben und erreichen Auflösungen bis 2400 × 1200 dpi.

Alternative: Drucker mieten

Eine Komplettlösung speziell für Profifotografen auf Leasing- beziehungsweise Mietbasis, die neben dem Drucksystem selbst auch Software, Tinten und Druckmedien enthält, ist etwa Gemini. Die Lösung wurde vom Druckerhersteller Epson ins Leben gerufen und ist kürzlich vom Dienstleister Gemini Systems in den Niederlanden übernommen worden. Gemini-Partner in der Schweiz ist Piet Bächler Consulting (pbczug.ch).

Standardmässig enthält das Gemini-Angebot verschiedene Epson-Drucksysteme bis hin zum Grossformat inklusive Workflow-Software. Die Lösung wird für einen Zeitraum von drei Jahren geleast. Dies umfasst die Einrichtung, die Installation, das Farbmanagement sowie Service und Support. Durch die «Bezahlung pro Klick» soll der Nutzer nur die tatsächlichen Drucke bezahlen – Testausdrucke sowie technisch bedingte Fehlprints werden, so der Dienstleister, nicht in Rechnung gestellt. Tinten und Medien sind portofrei über das Gemini-Bestellsystem erhältlich. Bei den Druckmedien stehen verschiedene Foto- und Fine-Art-Papiere von Epson zur Verfügung.

 

Quelle: http://publisher.ch/

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