Der »verkaufte« Erfinder: Nicolas-Louis Robert

28. September 2015 | Von | Kategorie: Geschichtliches, Papierherstellung

Grundlage industrieller Papierherstellung – die Erfindung der Papiermaschine 1798

Nicolas-Louis Robert, der Erfinder der ersten Papiermaschine, wurde 1998, zum 200-jährigen Jubiläum seiner Patentanmeldung, zwar vielerorts hoch gefeiert, doch dabei wurde kaum erwähnt, welche Tragik sich mit dem Verkauf dieses Patentes an seinen Arbeitgeber Didot Saint-Léger, Sohn des Pariser Druckereikönigs Pierre-Francois Didot, einstellte. Robert wurde dadurch zum im übertragenen Sinne »verkauften« Erfinder.

Wie Ernst Völker in »Der große Traum« vortrefflich zusammengetragen hat, war Robert ursprünglich Korrektor in der Druckerei des alten Didot in Paris und nach dessen Ableben 1793 Betriebsleiter der Papierfabrik des Sohnes Didot Saint-Léger in Essonnes. Trotz gutem Absatz des handgeschöpften Papiers gingen die Geschäfte dort schlecht, weil die Arbeiter im Vorfeld der Revolution ständig in Bummelstreiks traten. Robert sann deshalb auf Abhilfe und kam auf die Idee, eine mechanisierte Bütte, die erste Papiermaschine zu bauen. 1798 war es so weit, dass er ein Patent einreichen konnte, zu dessen Finanzierung er sogar vom Minister eine Geldprämie bekam. Am 19. Januar 1799 wurde ihm das Patent erteilt. Da ihm jedoch die Mittel zur Realisierung seines Erfindungsgedankens fehlten, verkaufte er es an Didot. Über den Verkaufspreis kam es zu jahrelangen Streitigkeiten, an deren Ende sich Robert mit einem Vergleich zufrieden geben musste. Wegen noch bestehender Mängel wurde die Maschine nur für Tapetenpapier eingesetzt, wo sich die längeren Bahnen gegenüber Büttenpapier als besonders vorteilhaft erwiesen. Im Gefolge der Friedensverhandlungen mit England kam Didots Schwager John Gamble 1801 von London nach Paris und sah als Geschäftsmann gleich die Marktchancen für Tapetenpapier dieser Machart in seiner Heimat England. Er luchste seinem Schwager das Patent ab, das diesem wegen nur geleisteter Anzahlung noch gar nicht gehörte, und verschwand damit samt der Konstruktionszeichnungen nach London. Dort bekam Gamble noch im selben Jahr ein englisches Patent zugesprochen, von dem er ein Drittel der Rechte an den Londoner Papiergroßhändler Fourdrinier verkaufte. Didot, der sich von seinem Schwager betrogen fühlte, reiste diesem sogleich nach, doch wegen eines erneuten Kriegsausbruches zwischen England und Frankreich wurden seine Bemühungen um Rechtsprechung zerschlagen.

1804 ging die erste so gebaute Papiermaschine in der Fourdrinierschen Papierfabrik in Frogmore in Betrieb, erstellt vom Mechaniker John Hull und dessen Gesellen und ehemaligen Lehrling Bryan Donkin. Letzterer sammelte bei dieser Arbeit so viele Erfahrungen, dass er eine eigene, verbesserte Papiermaschine entwickeln konnte und damit zu einem sehr erfolgreichen Papiermaschinenbauer aufstieg. Als in Deutschland 1817 die ersten Papiermaschinen aufgestellt wurden, kamen diese aus der Donkinschen Fertigung – auch als Koenig & Bauer 1828 zusammen mit Cotta in Schwarzach eine Papierfabrik einrichteten, wurde dazu eine DonkinPapiermaschine importiert.

1818 hatte sich Donkin zusammen mit dem Drucker Charles Brighly sogar an einer neuartigen Schnellpresse versucht, die mit zwei heb- und senkbaren Druckform-Fundamenten ausgestattet war. Wegen Mängeln, die sich in der Praxis zeigten, blieb es beim Prototyp. Das Geschäft mit Papiermaschinen versprach erfolgreicher zu werden. Nicolas-Louis Robert hatte bei alledem das Nachsehen. Er war zwar Direktor der Papierfabrik in Essonnes geworden, verlor aber 1810 seine Stelle, als die Fabrik wegen schlechter Geschäftsgänge von Didot verkauft wurde. Laut Vertrag hätte Didot damit das Patent an Robert zurückgeben müssen, stattdessen meldete er mit den in England erfahrenen Verbesserungen ein neues Patent auf seinen eigenen Namen in Frankreich an. 1814 versuchte Robert nochmals mit einer eigenen Papiermaschine bei Papierfabriken Fuß zu fassen, doch die zunehmenden Importe aus England zerschlugen seine Bemü- hungen. Enttäuscht verdiente er ab 1815 seinen Lebensunterhalt als Weinbau-Lehrer in Dreux. Doch als 1826 auch noch in seiner Nachbarschaft zwei Donkin-Papiermaschinen aufgestellt wurden, machte ihn der Kummer darüber so krank, dass er am 8.August 1828 im Alter von 68 Jahren starb.

Boris Fuchs

 

Quelle: http://www.journal-fuer-druckgeschichte.de/downloads/200004.pdf

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