Ausschießen im Druck – Kein Hexenwerk

8. Februar 2014 | Von | Kategorie: druckerNEWS, Druckvorstufe

Allein der Begriff “Ausschießen” wird wohl schon Generationen von Auszubildenden, in der Druckindustrie, in Angst und Schrecken versetzt haben. Vorweg ist es wichtig zu wissen, was man unter dem Begriff Ausschießen versteht.

Das Ausschießen wird in der Druck-Vorstufe angewandt, dort werden zum Beispiel die Seiten eines Buches auf einen Standbogen aufgebaut. So entsteht nach dem Drucken, Falzen und Zusammentragen der Druckbogen die richtige Reihenfolge der Seiten.

Das Ausschießen hängt von der Zahl der Seiten die auf einen Druckbogen passen, dem Falzschema und der Seitenzahl des Buches ab. Dabei ist es wichtig, möglichst viele Seiten auf einen Druckbogen zu bekommen. Auf diese Weise wird der Platz auf jedem Druckbogen richtig genutzt. In diesem Arbeitsschritt werden zusätzlich noch wichtige Elemente wie Passkreuze, Falzkreuze und Schnittmarken auf den Bogen angeordnet.

Diese Elemente sind zur Qualitätsprüfung und bei der Weiterverarbeitung und nach Druck des Buches sehr wichtig. Der Vorgang beim Ausschießen wird digital in einem Programm vorgenommen und im Anschluss wird die Seiten-Anordnung mitsamt aller Markierungen für jeden Bogen in einem PDF-Dokument gespeichert.

 

Reihenfolge beim Ausschießen

  • Erstellen eines Falz-Musters
  • Erstellen eines Ausschieß-Schemas mit dem Falz-Muster als Vorlage
  • Erstellen eines Einteilungsbogen

Der Einteilungsbogen beim Ausschießen
Der Einteilungsbogen ist die Vorlage für die genaue Platzierung von Bildern und Texten bei der Montage. Er enthält Angaben für Druck und Weiterverarbeitung.
Der Einteilungsbogen beim Ausschießen beinhaltet

  • Bogenformat
  • Druckbeginn
  • Beschnitt, Greifrand
  • Passkreuze, Falzmarken, Flattermarken, Schneidemarken
  • Satzspiegel
  • Seitenzahl
  • Anlagezeichen, Druckkontrollstreifen

Zusätzlich sind auch noch die Formatstege (Kopfsteg, Bundsteg, Mittelsteg, Kreuzsteg) eingeteilt. Sie legen die Leerräume zwischen den einzelnen Seiten fest. Aber auch die Stege für die Seitenformate liegen fest, diese Formate umfassen den Kopfsteg, Bundsteg, Außensteg, Fußsteg, sowie den Satzspiegel.

 

Erstellung des Einteilungsbogens vor der Digitalisierung

Für jeden beidseitig bedruckten Bogen werden zwei Einteilungsbogen gezeichnet und auf einem Leuchttisch befestigt. Man beginnt mit dem Einteilungsbogen für die Schöndruckseite. Die Seiten werden hier als Umriss eingezeichnet. Beim Offsetdruck und Tiefdruck werden sie spiegelverkehrt eingezeichnet. Jetzt wo die Lage der Seiten und die Position auf der Schöndruckseite feststehen, wird der Einteilungsbogen für die Widerdruckseite erstellt. Hierbei muss die Wendeart beachtet werden.

 

Die Wendearten beim Ausschießen

Das Umschlagen beim Ausschießen

Bogenwendung in der Druckmaschine: Vorderanlage bleibt an der gleichen Seite, Seitenmarke wechselt. Beim Umschlagen eines Druckbogens bleibt beim Druck der Rückseite, dem sogenannten Widerdruck, die gleiche Papierkante an den Vordermarken. Der Druckbogen wird um die rechtwinklig zu den Vordermarken stehende Achse (Mittelsenkrechtes des Bogens zur Laufrichtung in der Druckmaschine) gewendet. Die Seitenanlage bleibt an der gleichen Bogenseite. Dazu wird die Seitenmarke im Widerdruck ebenfalls gewechselt. Beschnittflächen von der Mittellinie jeweils nach außen sind deshalb gleich groß zu halten. Der Druckbogen benötigt einen Winkelschnitt an den Anlageseiten (Vordermarken, Seitenmarken), um einen gleichmäßigen Stand zu gewährleisten.

 

Das Umstülpen beim Ausschießen

Bogenwendung in der Druckmaschine: Vorderanlage wechselt, Seitenmarke bleibt an der gleichen Seite.

Der Druckbogen wird beim Umstülpen um die Mittellinie parallel der Vorderanlage gewendet. Die hintere Bogenkante liegt nach dem Umstülpen an den Vordermarken und ist jetzt die Greiferkante. Ein absolut exaktes Ausrichten im Stand auf die lange Mittelachse des Druckbogens ist sowohl in der Bogenmontage als auch im Druck in Ein- und Mehrfarben-Offsetdruckmaschinen zwingend erforderlich, um einen registerhaltigen Druck zu ermöglichen.Der Druckbogen ist mindestens an den beiden langen Seiten und an der Seitenanlagenseite zu beschneiden. Das exakte Maß des Druckbogens ist bei der Bogenmontage genauestens zu beachten.

Jeder beidseitige in umstellbaren Schön- und Widerdruckmaschinen zu bedruckende Bogen wird beim Druck immer umstülpt. Bei auf Format geschnittenen Druckpapier reicht ein Winkelschnitt an der Anlage für ein registerhaltiges Drucken aus. Wendesysteme, die den Druckbogen der Druckmaschine umstülpen, gleichen Differenzen der Bogenlänge im Zylinderumfang bis ca. 2 mm ohne Registerschwankungen aus.

Der Greiferrand ist bei einer leicht schwankenden Papierlänge mehr oder weniger groß. Sind die Toleranzen größer, so ist an drei Seiten wie beim Umstülpen für einseitig druckende Offsetdruckmaschinen zu beschneiden. Bei der Bogenmontage sind die Maschinentechnik (Wendewerk, Greiferränder an beiden langen Bogenseiten) und das Ausschießen zu beachten.

 

Wichtige Regeln beim Ausschießen

  • Der letzte Falz liegt, beim Vorgang des Ausschießens, immer am Bund.
  • Die erste und die letzte Seite eines Bogens stehen im Bund immer zusammen, z. B. Seite 1 und Seite 16. Damit gilt für alle anderen Seiten, die im Bund nebeneinander stehen, dass die Seitenzahlen zusammengerechnet, die Anzahl der Seiten des Bogens plus 1 ergeben müssen.
  • Bei 8 Seiten Hochformat ist die Falz-Anlage bei den Seiten 3 und 4.
  • Bei 16 Seiten Hochformat und 32 Seiten Querformat ist die Falz-Anlage bei den Seiten 5 und 6.

via Ausschießen im Druck – Kein Hexenwerk.

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