Druckfreigabe erteilen – So geht´s

3. Februar 2014 | Von | Kategorie: Colormanagement, Druckvorstufe

Ist die persönliche Druckfreigabe vor Ort heute überflüssig?

 

Standardisierte Prozesse schaffen Sicherheit für alle Vertragspartner. Die Druckindustrie kennt viele Normen. Sie ermöglichen es, Farben verbindlich zu beschreiben oder Größen von Druckprodukten zu definieren. Die wohl bekannteste Norm ist die DIN für Papiergrößen. Mit dem Prozessstandard Offsetdruck (PSO – ISO 12647-2) lassen sich seit 2007 auch Farben und Druckergebnisse festlegen.

 

Hintergrund der PSO

 

Wer über Farbe reden will, muss Farbe definieren. Ein Rot ist nicht ein Rot. Es existieren Tausende Töne Rot. Nicht nur die Wahl des Papiers, auch die Art der Prozessfarben kann deutlich sichtbare Veränderungen herbeiführen. Um Konflikten zwischen Auftraggebern und Dienstleistern zu entgehen, ist Normierung ein entscheidender Schritt. In der Vergangenheit waren Kunden und Druckereien auf einen aufwendigen Weg der Abstimmung angewiesen. Nun lässt sich die Druckfreigabe dank PSO durch Überprüfung der erzielten Werte durch die Druckerei selbst herbeiführen. Der Auftraggeber muss nicht mehr persönlich erscheinen, um das Druckergebnis freizugeben. Damit ermöglicht die Norm die Einhaltung von Standards durch wenige Kontrollelemente. Konsequente Umsetzung vorausgesetzt.

 

Voraussetzungen in der Layoutphase

 

Vor dem Druck entsteht das Layout. Bereits hier müssen die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden, damit eine Datei nach PSO zu verarbeitet ist. Genauer gesagt: PSO beginnt hier! Schließlich kann ein Druck immer nur so gut sein, wie es die Ausgangsdaten zulassen. Um den Standard einzuhalten, sind folgende Bedingungen herbeizuführen:

 

  • Die Einstellungen im Bildbearbeitungsprogramm entsprechen dem angestrebten Druckprozess.
  • Farbprofile werden nach der verwendeten Papierart gewählt und eingesetzt.
  • Auflösung und Farbigkeit der Bilddaten sind den Anforderungen der Druckerei angepasst.
  • Die Wahl eines systemunabhängigen Datenformats für den Export.
  • Ein Proof vermeidet unangenehme Überraschungen und gilt als Referenz für das Druckergebnis.

Gefährlich wird es, wenn von diesen Bedingungen abgewichen wird. Risiken vermeiden Sie dann nur noch, wenn Sie als Auftraggeber die Druckfreigabe persönlich erteilen. Abweichungen führen sonst zwangsläufig zu Irritationen. Typische Fehler können beispielsweise so heißen: Für die Farbigkeit wurde in der Gestaltungsphase von einem glänzend gestrichenen Papier ausgegangen. Gedruckt wird jedoch auf ungestrichenem gelblichen Papier. Auch häufiger anzutreffen als wünschenswert: Die Auflösung entspricht nicht den Normen für 60er Raster im Offsetdruck. Oder: Die Einstellungen bei der Erzeugung des PDFs stimmen nicht mit den Anforderungen für eine 1:1-Übertragung überein.

 

Zertifizierung der ausführenden Unternehmen

 

Es reicht nicht, guten Willens zu sein. Um die Befähigung für ein standardisiertes Druckergebnis nachzuweisen, ist eine Zertifizierung unumgänglich. Diese wird in Deutschland durch das unabhängige Forschungsinstitut FOGRA durchgeführt. Von dort erhalten Sie auch die notwendigen Hilfsmittel wie den Medienkeil, um das Colormanagement zu ermöglichen. Ein jährliches Audit bürgt für gleichbleibende Einhaltung der Standards. Abgefragt werden entsprechende Kenntnisse seitens der Anwender. Ebenfalls wird überprüft, ob die Unternehmen technisch in der Lage sind, innerhalb der Toleranzen der PSO zu produzieren. Dafür müssen Druckereien beispielsweise den Nachweis erbringen, dass sie eine farbverbindliche Drucksimulation herstellen können. Im Anschluss soll der Prozess beweisen, dass bei der Druckplattenherstellung Prüfelemente eingefügt werden. Gleichfalls soll eine Druckplatte den Messergebnissen aus dem Prüfdruck entsprechen. Eine zertifizierte Druckerei muss dies auch angesichts herstellungsbedingter Abweichungen darstellen können. Nur so kann es dem Kunden zugemutet werden, auf eine persönliche Druckfreigabe zu verzichten. Insbesondere im Fortdruck müssen Unregelmäßigkeiten schnell erkannt und kompensiert werden. Die Verwendung von Medienkeilen stellt dabei nur den ersten Schritt dar. Es bedarf auch geeigneter Messinstrumente für das Controlling. Mitarbeiter sollen den Umgang damit sicher beherrschen.

 

Druckfreigabe mit oder ohne PSO-Zertifizierung

 

Die Zertifizierung nach PSO wird seit rund sechs Jahren durchgeführt. Aktuell konnten etwa 400 Unternehmen aus dem Medienbereich und der Druckindustrie das Prüfsiegel erwerben. Davon sind allein rund 300 Betriebe in Deutschland ansässig. Es ist also noch nicht zu erwarten, dass jede Druckerei sich nach den Vorgaben der FOGRA ausweisen kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Unternehmen keine eigenen Maßnahmen ergriffen haben, um Qualität und Farbtreue sicherzustellen. Wenn Sie eine neue Kooperation mit einer Druckerei anstreben, kann es für erste Aufträge sinnvoll sein, die Druckfreigabe persönlich zu erteilen. Minimalbedingung ist dann der Proof. Sorgen Sie auch Ihrerseits dafür, dass Ihre Daten normgerecht aufgearbeitet sind. Indem Standards bereits im Layout berücksichtigt wurden, schaffen Sie die Voraussetzungen für ein messbares Ergebnis. Nur so wird es langfristig möglich, die Druckfreigabe nach der Beurteilung durch die Druckerei zu gestatten.

 

Vorteile der Zertifizierung für die Druckereien

 

Trotz Druckfreigabe seitens der Auftraggeber stellen sich im Fortdruck Schwankungen ein. Allein der Vorgang der Druckfreigabe kann erhebliche Zeit in Anspruch nehmen. Dennoch sind Reklamationen nicht vollständig auszuschließen. Indem es gelingt, die Einhaltung der Ergebnisse aus dem Prüfdruck nachzuweisen, begeben Sie sich argumentativ auf die sichere Seite. Immerhin ist es mühevoll und unbefriedigend, den Kunden über seine Versäumnisse aufzuklären, wenn das Farbergebnis nicht seinen Erwartungen entspricht. Die Einhaltung von Standards erfordert zwar ein gewisses Maß an Aufwand, doch es lohnt sich: In jedem Fall werden Sie nach Messungen nachweisen können, dass so gedruckt wurde wie geliefert. Schon im Vorfeld stellen Sie sicher, dass gelieferte Daten den Normen entsprechen. Stellen Sie fest, dass diese nicht eingehalten wurden, können Sie den farbverbindlichen Druck ausschließen. Nicht mehr allein die Druckerei steht in der Verantwortung, sondern der Auftraggeber hat seinen Teil zum Gelingen beizutragen.

 

Colormanagement jenseits des Drucks

 

Die Einhaltung von Normen hat in der modernen Medienlandschaft weitere Vorteile. Auch jenseits von Druck und Druckfreigabe werden Produkte der Öffentlichkeit präsentiert. Die Übertragung auf unterschiedliche Darstellungsebenen gehört zum täglichen Geschäft der Werbetreibenden. Der Flyer, die Website, der Anzeigendruck in Tageszeitungen und die Präsentation in der Hochglanzbroschüre sollen erkennbare Ähnlichkeit aufweisen. Schwierig genug bei der Andersartigkeit der Medien und der dort verwendeten Farben. Mithilfe von Colormanagement erzielen Sie immerhin die heute größtmögliche Annäherung. Ein Grund mehr, diese Parameter schon in der Gestaltung zu berücksichtigen. Der Zeitgewinn durch den Wegfall der Druckfreigabe stellt dabei einen zusätzlichen Gewinn dar. Die Wiederholbarkeit von Druckergebnissen sichern Sie ebenfalls auf lange Sicht.

 

Quelle: http://www.europadruck.com/blog/druckfreigabe-erteilen/

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