Stirbt das Buch?

17. Januar 2014 | Von | Kategorie: Sonstiges, Zukünftliches

Die Frankfurter Buchmesse 2013 endete so erfolgreich wie in jedem Jahr. Dennoch steigt die Zahl der elektronischen Publikationen rasant. Die Gründe dafür scheinen auf der Hand zu liegen:

  • Das E-Book ist klein und handlich
  • es wiegt bedeutend weniger
  • elektronisches Lesen ist heute bereits mit dem Smartphone möglich
  • E-Books sind systemübergreifend auf allen Endgeräten erlebbar.

So stellt sich die Frage, wie es weitergeht mit dem gedruckten Buch und woher es kommt.

 

Das gedruckte Buch stirbt!

Zeitgemäße Autoren schreiben keine Bücher mehr, sie bloggen. Mit dem Einzug der modernen Kommunikationsmittel geht es bergab mit einer über 500 Jahre alten Tradition: Der Buchdruck neigt sich sichtbar seinem Ende zu. Noch immer werden auf den Buchmessen regelmäßig Neuerscheinungen in gedruckter Form angeboten. Doch als E-Book führen sie bereits beim Erscheinen eine Parallelexistenz. Das bekommen auch europaweit die Verlage zu spüren: Eichborn, der Wieser Verlag und ganz aktuell der Weltbildverlag gehören zu den Opfern. Zu den Gewinnern zählt hingegen Amazon: Der Internetriese beziffert seinen Erfolg mit dem Kindle E-Book-Reader auf wöchentlich mehr als eine Million verkaufter Geräte in der Zeit von November 2011 bis Dezember 2011. Bei elektronischen Readern, die sich eines offenen Formats bedienen, werden die Verkaufszahlen ähnlich liegen. Zuerst das elektronische Buch, jetzt das Verlagssterben. In Zukunft wird sich niemand mehr die Frage stellen »Wer druckt mein Buch?« Die Zukunft liegt in kurzen Beiträgen in Blogs – die ebenfalls Einnahmen versprechen. Oder gesammelte Blogbeiträge erscheinen als E-Book.

 

Ohne Buch geht es nicht!

Vor Gutenberg war es noch mühselige Arbeit, ein Buch herzustellen. Mit Einzug der Buchdruckkunst begann eine Bildungsrevolution ungeahnten Ausmaßes: Europa lernte Lesen und Schreiben. Wissen, das vorher nur der Oberschicht zugänglich war, verbreitete sich in Windeseile. Hohe und immer höhere Auflagen fanden Abnehmer und die Druckmaschinen entwickelten sich entsprechend. Bald schon war es möglich, den Wissensdurst eines ganzen Landes dreimal am Tag zu befriedigen. Daneben war das Interesse an Literatur groß: In vielen Familien wurden Bücher durch die Generationen vererbt. Wer hat noch nicht mit Hingabe die Kinderbücher seiner Eltern verschlungen. Heute lesen unsere Söhne und Töchter sie. Von einem E-Book kann man sich eine solche Vita kaum vorstellen. Selbst bei vorsichtiger Behandlung wird es in 30 oder 50 Jahren keine Geräte mehr geben, welche die Daten lesen können. Oder die Dateien wurden gelöscht. Aus der Raumfahrt sind diese Entwicklungen bereits bekannt: So kann die NASA die Aufnahmen der ersten Mondlandung nicht wiederfinden und an anderer Stelle sind Rohdaten von Absolventen »verschollen«.

Nun wird niemand behaupten, dass noch nie ein Buch verloren ging. Allerdings wird davon meist mehr als ein Exemplar gedruckt. Das gedruckte Buch ist unempfindlich gegenüber magnetischen Feldern. Es funktioniert ohne Strom! Besonders aber ist es – anders als eine Datei – auch ein sinnliches Erlebnis. Wer von uns hat sich nicht schon einmal mit einem spannenden Buch zurückgezogen. Oder mit seinen Kindern ein Buch durchgeblättert? Mit solchen Erinnerungen verbinden viele von uns die wertvollsten Stunden. Wenn nun die Verlage immer öfter in die Insolvenz geraten, ist eine Frage von erheblicher Tragweite: »Wer druckt dann mein Buch?«

 

Wer druckt mein Buch?

Wie die Vergangenheit längst bewiesen hat, sind elektronische Daten vergänglich. Schon jetzt sind viele Seiten im Internet kaum noch auffindbar, die wertvolles Wissen beinhalteten. Wer sein Werk – ob wissenschaftlich oder prosaisch – schützen will, findet Antworten auf die Frage nach dem Buchdruck. Da sind zum einen neue Verlage, die ihren Markt finden. Mit dem gedruckten Buch. Als Alternative wird aber auch das E-Book weiterhin ein Erfolg bleiben, denn viele Werke sind für den kurzweiligen Konsum konzipiert. Hier geht es um schnelle Wissensvermittlung oder um leichte Lektüre. Auch dafür finden sich Verlage, die dem Autor bei der Herstellung unter die Arme greifen.

Je anspruchsvoller jedoch der Inhalt, desto eher ist dem Buchdruck der Vorzug zu geben. In der sich wandelnden Welt der Buchverleger stellt sich jedoch berechtigterweise die Frage »Wer druckt mein Buch?« Immer häufiger wird im Internet der sogenannte Selbstverlag beworben. Marktchancen ergeben sich für diese Anbieter aus der Tatsache, dass die herkömmlichen Verlage kaum mehr in der Lage sind, ein wirtschaftliches Risiko einzugehen. Wer im Selbstverlag publiziert hat meist viele erfolglose Anfragen bei eingeführten Verlagen erlebt. Mit dem Mut der Verzweiflung oder im ungebrochenen Glauben an sich selbst wenden sich Autoren dann an einen Selbstverlag. Nicht selten erwächst daraus ein finanzielles Desaster: Der Autor zahlt die Druckkosten aus eigener Tasche. Die Vertriebswege mancher Verlage sind undurchschaubar und erfolglos. Jeder, der sein Werk veröffentlicht sehen will, muss sich also fragen »Wer druckt mein Buch?« Dabei sollte die Betonung jedoch auf der Frage nach dem WER liegen. Sonst kann die Eigeninitiative schnell im Fiasko enden. Das gilt übrigens für das gedruckt wie das elektronische Buch. Trau schau wem!

via Wer druckt mein Buch?.

Hinterlassen Sie einen Kommentar