Der Buchdruck

27. Februar 2013 | Von | Kategorie: Lernen

Funktionsweise des Buchdrucks

Im ersten Schritt stellt man Druckletter her:

Auf der Spitze eines länglichen Stahlstabes wurde eine Letter in Spiegelschrift eingraviert. Der wurde dann mit einem Hammer in weicheres Kupfer eingeschlagen, womit ein seitenrichtiger, vertiefter Abdruck des Buch-stabens entstand. Dies war die sogenannte Matrize, die in das Gießinstrument eingerichtet werden musste. Das Gussmaterial wurde eingefüllt, und es entstand ein Bleiletter. Da die Gussmatrize immer wieder verwendet werden konnte, erhielt man eine theoretisch unbegrenzte Anzahl an völlig gleichmäßigen und gleichförmigen Lettern.

 

Der zweite Schritt war das Setzen des Textes:

Die einzeln gegossenen Buchstaben wurden dann nebeneinander in Setzkästen abgelegt, aus denen der Setzer die Einzelletter zu Zeilen zusammentrug; jeweils mit Blindmaterial dazwischen. Danach wurden die Zeilen zu einer Spalte oder Seite zusammengefügt, auf einem Holzbrett, dem so genannten Setzschiff, das recht stabil sein musste. Dort wurde die Seite genau ausgerichtet. Der fertige Satzspiegel wurde dann mit Hilfe eines Lederballens mit Druckerschwärze eingefärbt.

 

Der dritte Schritt: Die Presse:

Das angefeuchtete Papier kam in den klappbaren Deckel über dem Satzspiegel mit den Lettern und wurde durch Nadeln fixiert. Den Pressdeckel mit dem Papier und Rahmen klappte man auf den Satzspiegel und schob ihn unter die Druckplatte der Presse, den so genannten ‚Tiegel‘. Mit einem kräftigen Ruck wurde jetzt der Tiegel auf das Papier gedrückt und damit die Druckerfarbe auf das Papier übertragen. Anhand der Nadelstiche, mit denen das Papier bzw. Pergament beim Druck der Vorderseite fixiert worden war, konnte die Rückseite beim Widerdruck fast deckungsgleich ausgerichtet werden.

 

Und zum Schluss

Die einzelnen Blätter wurden in Lagen und diese zu vollständigen Bänden gebunden.

Die ersten Drucke sollten eigentlich gar nicht als ‚Druckwerke‘ erkennbar sein. Dafür machte sich Gutenberg sogar die Mühe, nicht nur je eine Gussmatrize von den 26 Buchstaben des Alphabets anzufertigen. Er stellte von jedem Buchstaben mehrere Versionen her, die nur ganz wenig anders aussahen. Insgesamt entwickelte er mehr als 290 unterschiedliche Typen seines Alphabets.

Gutenbergs Erfindung ist natürlich nicht plötzlich, sondern durch Anknüpfung an schon vorhandene technische Entwicklungen entstanden:

Schon lange vor Johannes Gutenberg verwendete man Holzschnitte und andere Stempel zum Drucken. Der chinesische Alchimist Pi Cheng begann 400Maedchen-auf-der-Bruecke Holzschnitt Jahre vor ihm damit, Serien von Schriftzeichen aus Ton zu produzieren und daraus Druckstöcke zusammenzustellen. Aber das Material und die technischen Möglichkeiten erlaubten es nicht, damit größere Auflagen zu drucken. Und die chinesische Schrift, bei der für jedes Wort ein eigenes Zeichen benötigt wurde, stand einer rentablen Umsetzung dieser Idee im Weg.

Im 15. Jahrhundert war auch schon der Stempeldruck bekannt. Es ist wahrscheinlich, dass Gutenberg von dieser Technik erfahren hatte. Der Stempeldruck kann also als Vorstufe zur Erfindung des Buchdrucks angesehen werden.

Gutenbergs Leistung liegt darin, dass er einen Arbeitsprozess entwickelt hat, der sich aus mehreren Schritten der genannten Techniken zusammensetzt. Die wichtigsten technischen Neuerungen sind:

  •  Auflösung des Textes in seine kleinsten Bestandteile, nämlich die 26 Buchstaben des Alphabets.
  • Entwicklung eines Gießverfahrens von einzelnen Lettern mit der richtigen Metalllegierung, bei dem man die Gussform exakt ausrichten kann, um jeder Type die gleiche Form zu geben
  • Die Verwendung von Spindelpressen für den Andruck des eingefärbten Satzspiegels auf das angefeuchtete Papier.

Diese Fertigungstechnik, die beim Druck der 42-zeiligen Bibel angewandt wurde, hatte ohne große Veränderungen über 350 Jahre Bestand.

Folgen für die Zukunft

Die Vervielfältigung von Texten wurde einfacher und preiswerter. Das machte den Zugang zur Bildung frei für Schichten der Bevölkerung, die bisher davon ausgeschlossen waren. Außerdem wurde dadurch die Propaganda einer Idee extrem erleichtert. Ohne den Buchdruck hätte sich die Reformation in Europa nicht so schnell verbreiten können. In Luthers ‚Tischreden‘ wird ausdrücklich auf die wichtige Rolle des Buchdrucks für die Verbreitung der reformatorischen Lehre hingewiesen. Nebenbei wurde dadurch auch noch die deutsche Sprache weiterverbreitet.Der Buchdruck beeinflusste außerdem national wie international die weitere Entwicklung der Gesellschaft. In zahlreichen Arten des kulturellen und technischen Fortschritts wirkte sich die Erfindung Gutenbergs aus.

Natürlich gab es einige, wenige Gegenstimmen, hauptsächlich aus kirchlichen Kreisen. Sie warnten vor der fehlenden Sorgfalt beim Setzen und einer daraus folgenden niedrigeren Qualität gegenüber den Handschriften. Dazu befürchtete die Kirche, mit der vermehrten Verbreitung von theologischem Wissen in der Volkssprache ihre Macht und ihren Einfluss zu verlieren.

Weitere Entwicklung und Verbreitung

Und so ging der Buchdruck auch nach Gutenberg weiter. Die Buchdruckerkunst verbreitete sich fast explosionsartig in ganz Europa. Deutsche Buchdrucker schwärmten in alle Himmelsrichtungen aus, vor allem aber war der Weg über die Alpen nach Italien (Rom und Venedig) entscheidend für die weitere Ausbreitung. So waren schon innerhalb von zehn Jahren nach Gutenbergs Tod in den meisten europäischen Ländern Werkstätten gegründet worden: z.B.: in Frankreich, den Niederlande und sogar in England. Um die Jahrhundertwende folgte dann der Osten mit der Türkei und Griechenland und 1590 wurde dann auch in Japan die erste Werkstätte errichtet.

Um ca. 1480 begann sich der Buchdruck von der Handschrift zu lösen. Formate wurden verändert, ein Titelblatt entwickelt und die individuelle Verzierung wurde immer mehr durch eine integrierte Holzschnittillustration abgelöst.

Später wurde die Volkssprache neben der Gelehrtensprache Latein mehr verwendet. Erste Sachbücher mit medizinischen und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, Drucke von Europa- und Weltkarten und Kalender wurden verbreitet. Der Preis eines Buches sank auf die Hälfte bis zu einem Viertel des ursprünglichen Preises.

 

Verbreitung des Buchdrucks im 15 Jhd.

Einige Jahrzehnte nach Gutenbergs Tod wurde ihm sogar die Ehre der Erfindung des Buchdrucks streitig gemacht. Johannes Schöffer, ein Enkel von dem Gesellen Peter Schöffer meinte, seinem Großvater hätte die Ehre der Erfindung verdient und löste damit die Infragestellung Gutenbergs aus. So kam es, dass zwei Jahrhunderte lang die Urheberschaft der Erfindung unsicher war. Erst der Göttinger Professor für Geschichte Johann David Köhler führte 1741 anhand des Helmaspergerschen Notariatsinstruments und einer gründlichen Quellensammlung die Ehrenrettung Gutenbergs herbei. Und seitdem wird Gutenberg wieder als alleiniger Urheber der Erfindung angesehen.

 

Quelle: Azubi-Ecke der Fa. APPL

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